
Zu Beginn seiner Predigttätigkeit oder kurz davor adoptierte Mohammed einen Sklaven namens Zayd ibn Ḥāriṯah, den ihm seine Frau Khadija geschenkt hatte. Einige Zeit später verheiratete Mohammed seinen Adoptivsohn mit seiner Cousine Zaynab bint Jahsh. Diese weigerte sich zunächst, musste aber angesichts einer „Offenbarung ad hoc“ nachgeben:
Wenn Allah und Sein Gesandter etwas beschlossen haben, steht es einem gläubigen Mann oder einer gläubigen Frau nicht zu, nach eigenem Ermessen zu entscheiden. Wer Allah und Seinem Gesandten nicht gehorcht, geht offensichtlich in die Irre. (Koran 33:36)
Eines Tages entdeckte Mohammed Zaynabs Schönheit und verliebte sich in sie. Al-Tabari beschreibt die Begebenheit in seiner offiziellen Biografie des Propheten folgendermaßen:
Zaynab lebte seit fünf Jahren mit Zayd zusammen, als der Prophet das Haus seines Sohnes aufsuchte. Als die Tür geöffnet war, sah er Zaynab mit unbedecktem Kopf dasitzen. Er wandte den Blick von ihr ab und fragte, wo ihr Mann sei. Sie antwortete, er sei ausgegangen. Mohammed hatte Zaynab oft gesehen, aber stets verschleiert, nie mit unbedecktem Gesicht. Dies beeindruckte ihn stark, und da er sie nicht ein zweites Mal ansehen wollte, schloss er, von ihrer Schönheit betört, die Augen und sagte: „Gepriesen sei Gott, der die Herzen durcheinanderbringt!“ Dann ging er fort.
Als Zayd nach Hause kam, erzählte ihm seine Frau vom Besuch des Propheten. „Warum hast du ihn nicht hereingelassen?“, fragte Zayd. „Er ist hereingekommen“, antwortete Zaynab. „Mein Kopf war unbedeckt, und er hat dies und das gesagt.“ „Wahrscheinlich hast du Eindruck auf ihn gemacht“, sagte Zayd. „In diesem Fall kann ich nicht mehr mit dir zusammenbleiben.“ Er ging zum Propheten und teilte ihm mit, dass er seine Frau verstoßen wolle. „Warum?“, erkundigte sich der Prophet. „Was hast du ihr vorzuwerfen?“ „Nichts!“, sagte Zayd, „aber ich kann nicht mit ihr zusammenbleiben.“ „Nun komm, verlass deine Frau nicht. Behandle sie gut und gehorche Gott, der sagt: ‚Behalte deine Frau bei dir und fürchte Gott.‘“ Doch Mohammed war trotz des Rates, den er seinem Sohn gegeben hatte, in Wirklichkeit froh, dass Zayd sie verstieß, wollte sich dies aber nicht anmerken lassen, um seinen Adoptivsohn nicht zu verletzen und damit die Sache nicht bekannt würde.
Dies wird durch Vers 33:37 bestätigt:
[Gedenke,] als du zu demjenigen, dem Allah wohlgesinnt war und den auch du begünstigt hattest, sagtest: „Behalte deine Frau für dich und fürchte Allah“, während du in deinem Herzen verbargst, was Allah öffentlich machen würde. […] (Koran 33:37)
Doch die von Mohammed so sehr gewünschte Ehe mit Zaynab warf das heikle Problem auf, ob eine Verbindung mit der verstoßenen Frau eines Adoptivsohns rechtmäßig wäre. Denn nach ihrer Verstoßung wäre Zaynab, wie bereits erwähnt, die verstoßene Frau Zayds, des Adoptivsohns Mohammeds, gewesen. Im Folgenden erfahren wir, wie sowohl der innere Konflikt als auch der Konflikt mit den damaligen Gesetzen durch die üblichen „Offenbarungen ad personam“ glücklich gelöst wurde. Al-Tabari berichtet dazu:
Nachdem er den Propheten verlassen hatte, verstieß Zayd Zaynab. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist ließ sie dem Propheten sagen: „Zayd hat mich deinetwegen verstoßen, damit du mich heiratest.“ Der Prophet wünschte diese Ehe, schämte sich aber und antwortete nicht. Als Gott seine Verlegenheit sah, gab er ihm Zaynab zur Frau, indem er den Vers offenbarte: [Gedenke,] als du zu demjenigen, dem Allah wohlgesinnt war und den auch du begünstigt hattest, sagtest: „Behalte deine Frau für dich und fürchte Allah“, während du in deinem Herzen verbargst, was Allah öffentlich machen würde. Du fürchtetest die Menschen, während Allah ein größeres Anrecht darauf hat, gefürchtet zu werden. Als Zayd dann keine Beziehung mehr zu ihr hatte, gaben Wir sie dir zur Frau, damit für die Gläubigen kein Hindernis mehr hinsichtlich der Ehefrauen ihrer Adoptivsöhne bestünde, wenn diese keine Beziehung mehr zu ihnen haben. Allahs Befehl muss ausgeführt werden. (Koran 33:37)
Da sagte der Prophet: „Wer wird Zaynab die gute Nachricht überbringen?“ ‘Ā’išah gefiel die Sache nicht, doch der Prophet fuhr sie an: „Willst du dich dem Willen des Herrn widersetzen?“ Eine Frau ging zu Zaynab, um sie zu benachrichtigen. Zaynab nahm alle Schmuckstücke ab, die sie trug, und schenkte sie ihr. Dann begab sich der Prophet zu ihr aufgrund der Ehe, die Gott im Himmel für ihn geschlossen hatte, wie es im Koran steht: „Als Zayd beschloss, sie zu verstoßen, gaben Wir sie dir zur Frau.“ Zaynab rühmte sich dieser Worte und sagte zu den anderen Frauen des Propheten: „Ihr wurdet vom Propheten geheiratet, ich aber wurde ihm von Gott angetraut.“ Zaynabs Heirat fand im Monat Muḥarram des fünften Jahres der Hidschra statt. Zu Beginn des Monats Rabī‘ des Ersten brach der Prophet zum Feldzug nach Dūmat al-Ğandal auf.
In der allgemeinen Verlegenheit kam auch Vers 33:38 „herab“, um Mohammed zu entlasten und seine Ehrlichkeit hervorzuheben. Darin heißt es, Allah habe die Ehe mit der Cousine angeordnet und sie sei nicht das Ergebnis einer willkürlichen Entscheidung Mohammeds gewesen:
Daher trifft den Propheten keine Schuld für das, was Allah ihm auferlegt hat: Dies war Allahs Regel [auch] für diejenigen, die früher lebten. Allahs Befehl ist ein unabänderlicher Beschluss. (Koran 33:38)
Weitere Verse wurden „offenbart“, um auch den geringsten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Ehe zwischen Mohammed und der Frau seines Adoptivsohns auszuräumen. Wie? Ganz einfach: indem jede Adoption aufgehoben und Zayd vom „Adoptivsohn“ zum „ehemaligen Adoptivsohn“ wurde:
Die Versteller sagten: „Mohammed verbietet uns die Frauen unserer Söhne, während er selbst die Frau seines Sohnes Zayd heiratet.“ Abdullah Ibn Umar sagte: „Wir nannten ihn weiterhin Zayd Ibn Mohammed, bis der Vers ‚Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer‘ offenbart wurde“:
Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer; er ist der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten. Allah weiß über alle Dinge Bescheid. (Koran 33:40)
[Allah] …hat auch eure Adoptivsöhne nicht zu euren Söhnen gemacht. All dies sind nur Worte aus euren Mündern; Allah dagegen sagt die Wahrheit, Er ist es, der auf den [rechten] Weg führt. (Koran 33:4)
So konnte Mohammed mit „Allahs Hilfe“ Zaynab heiraten, die verstoßene Frau seines ehemaligen Adoptivsohns.









